, Vögele Stefan

Pilzexkursion vom 11.10.2025

Mit Beginn der Pilzexkursion brach die Sonne durch und verwandelte den düsteren, nebligen Morgen in einen wunderschönen Herbstnachmittag. Eine interessierte Schar Teilnehmende des Obst- und Gartenbauvereins Gränichen, des Natur- und Vogelschutzvereins Gränichen und weitere Gäste begab sich ausgehend vom Zehnder-Hüüsli auf einen Streifzug durch den Wald um die Funga, so nennt sich das Reich der Pilze, zu erkunden. …

In einer unterhaltsam vorgetragenen Einführung erklärte uns der Pilzexperte und Leiter der Exkursion, Philippe Béchir, dass die Pilze weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich zugeordnet werden können. Sie bilden ein eigenes, umfangreiches wenn auch noch nur wenig erforschtes Reich der Lebewesen. Was wir gemeinhin als Pilz bezeichnen ist lediglich der Fruchtkörper eines Pilzmyzels, das im Waldboden wichtige Aufgaben übernimmt. So gibt es symbiotische Pilze, die in einer Gemeinschaft mit Bäumen oder einer spezifischen Baumart leben. Vom Baum erhalten die Pilze Nährstoffe aus der Photosynthese und stellen dem Baum als Gegenleistung wichtige Mineralien zur Verfügung. Andere Pilze bauen als Saprobionten totes Material im Wald ab. Daneben gibt es auch parasitische Pilze, die kranke Bäume befallen z.B. den Schwefelporling, ein leuchtend gelber Baumpilz, der nach dem Garen eine Hühnchen-ähnliche Textur hat und deshalb in Englisch als "Chicken of the woods" bezeichnet wird.


Interessiert Zuhörer lauschen Philippe Béchir

Für den Pilzsammler ist es wichtig die jeweiligen kantonalen Vorschriften zu kennen. In einigen Kantonen gibt es Schonzeiten, häufig vom 1. bis 10. des Monats und viele kennen Mengenbeschränkungen. Zwar kennt der Aargau weder Schonzeiten noch Mengenbeschränkungen, jedoch ist das organisierte Sammeln verboten. Bei der Pilzkontrolle wird unterschieden zwischen den essbaren und den sehr giftigen, tödlichen Pilzen. Dazwischen gibt es noch unzählige weitere Arten, die zu bestimmen für eine schnelle Kontrolle zu aufwändig ist.

Mit all den Erläuterungen ausgerüstet, begann die eigentliche Exkursion im Wald. Einige Teilnehmende gaben sich als erfahrene Pilzsammler zu erkennen, die zielgerichtet vom Waldweg in den Wald abbogen um mit grossen Exemplaren verschiedenster Pilze im Korb zurückzukehren. Andere stolperten eher zufällig über Pilze direkt vor ihrer Nase am Wegrand. Alle genossen jedoch den Spaziergang im Wald. Der Fund von Eierschwämmen wurde gebührend gefeiert und derjenige von Totentrompeten mit einem Triumphgeheul kundgetan. Insgesamt war jedoch die Ausbeute eher bescheiden, da es dieses Jahr eher wenige Pilze gibt.


Wer hat da was gefunden?

Zurück beim Zehnder-Hüüsli wurden die gefundenen Pilze ausgelegt. Die Vielfalt an Farben, Formen und Erscheinungsbildern war überwältigend. Eingeteilt wurden die Pilze in essbare, giftige und gruusige, die zwar keine Vergiftung hervorrufen, jedoch so bitter oder scharf sind, dass sie nicht geniessbar sind. Jede der gefundenen Pilzart wurde von Philippe kurz beschrieben und ihre Erkennungsmerkmale gewürdigt. Für die Bestimmung kommen sämtliche Sinne zur Anwendung: wie hart fühlt sich der Pilz an, welche Farbe hat der Pilzkörper, ist die Unterseite des Hutes mit Lamellen oder Röhren ausgestaltet oder glatt, welche Textur hat sein Hut und sein Stiel, wie bricht der Stiel, welchen Geruch und Geschmack hat er. Viele deutsche Pilznamen leiten sich übrigens direkt vom Erscheinungsbild des Pilzes ab, gleicht der Kartoffelbovist einer Kartoffel, der Rote Herings-Täubling ist rot und schmeckt nach Hering. Mit ein wenig Erfahrung können ein paar eindeutig geniessbare Pilze und die sehr giftigen selber erkannt werden. Um sicher zu gehen empfiehlt sich jedoch auf jeden Fall das Angebot einer Pilzkontrolle in Anspruch zu nehmen.


Würdigung und Sortierung der gefundenen Pilze

Abgerundet wurde der interessante und lehrreiche Nachmittag durch Philippes Erzählung eines spannenden, wahren Pilz-Krimis. Bei einem gemütlichen Kaffee oder Tee, wurde anschliessend das hervorragende Magenbrot von Christine genossen und eifrig weiter über Pilze und eigene Sammelerfahrungen diskutiert.

Allen, die über das Reiche der Pilze mehr erfahren möchten, sei das Buch «Verwobenes Leben - Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen» von Merlin Sheldrake (ISBN: 978-3-548-06531-1) empfohlen.